Koschere Melange

Das Blog des Österreichischen Jüdischen Museums - ISSN 2410-6380

Kategorie: Veranstaltungen

Zwischen den Metropolen. Vom mährischen Eibenschütz ins pannonische Eisenstadt.

Das Österreichische Jüdische Museum lädt im Rahmen des Europäischen Tages der jüdischen Kultur 2018 herzlich ein zur Buchpräsentation „Das steinerne Archiv von Ivančice“ von und mit Ludwiga Reich. Wann: Sonntag,…

Das Österreichische Jüdische Museum lädt im Rahmen des
Europäischen Tages der jüdischen Kultur 2018
herzlich ein zur

Buchpräsentation „Das steinerne Archiv von Ivančice“

von und mit Ludwiga Reich.


Wann: Sonntag, 02. September 2018, 10.30-11.30 Uhr

Wo: Österreichisches Jüdisches Museum


Ein wunderbares Buch und spannende Geschichten, die bedeutende und berühmte Geschichte einer der ältesten jüdischen Gemeinden Mährens und vor allem die faszinierenden und engen Beziehungen zur jüdischen Gemeinde Eisenstadt:

Denn der zweifellos berühmteste Sohn von Ivančice (Eibenschütz) ist Jonathan Eybeschütz, geb. 1690 in Krakau, gest. 1764 in Altona, Wunderkind, Rabbiner, Talmudist, Kabbalist und eine der zentralen Persönlichkeiten der jüdischen Geschichte. Jonathans Vater Nathan war seit ca. 1700 Rabbiner in Eibenschütz und starb dort 1702 sehr jung. Jonathan wurde zunächst an die Jeschiwa nach Prossnitz in Mähren geschickt, wo damals niemand Geringerer als Meir Eisenstadt Rabbiner war. Nach einer Zwischenstation an der Jeschiwa in Holleschau ging Jonathan Eybeschütz 1710 nach Wien, wo er bei Meir Eisenstadts Förderer Samson Wertheimer vorhatte zu studieren. Wertheimer wollte Jonathan mit seiner Tochter verheiraten, dieser ging jedoch nach Prag, wo er Elkele, die Tochter von Rabbi Isaac Spira ehelichte. Über Hamburg kam er zurück nach Prag, Zwistigkeiten innerhalb der jüdischen Gemeinde führten ihn weiter nach Metz und Fürth, und 1750 wurde er schließlich Oberrabbiner von Altona, Hamburg und Wandsbeck.


Auf dem heutigen jüdischen Friedhof von Ivančice – es gab mehrere Vorgängerfriedhöfe – befinden sich etwa 1.800 Grabsteine. Der Friedhof ist der älteste in Mähren und – nach Prag und Kolin – der drittälteste der Tschechischen Republik. Der Zahl stehen allerdings ca. 4.350 seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts verstorbene Personen gegenüber, deren Grabstellen entweder abhanden gekommen sind oder auch nie existiert haben (Kindergräber?).

Unter den Ehrengräbern an der Westmauer des Friedhofes finden wir große Namen: Rabbi Beer Oppenheim, der nach 31 Jahren des Wirkens 1859 in Eibenschütz verstarb und in dessen Amtszeit auch die alte Synagoge abgerissen und neu errichtet wurde. Oberkantor Wilhelm Löwensohn war ein Verwandter des in den USA lebenden Komponisten und Dirigenten Hugo David Weisgall. Hugo Weisgall, geb. am 13. Oktober 1912 in Ivančice, soll als Kulturattache der US-Botschaft in Prag als erster ausländischer Dirigent angeblich die Prager Philharmonie bei einem großen Konzert dirigiert haben. Bekannt sind auch seine Werke wie die „Soldier Songs“ und „The Dying Airmen“ und „Futility“, die er unter dem Eindruck des Holocaust und der Konzentrationslager komponierte. Auffällig besonders die monumentale Grabstätte der Familie Bauer, der bedeutendsten Unternehmerdynastie von Brünn. Ihr Begründer Aron Hersch Bauer wurde 1779 in Ivančice geboren, war an der Kohleerzeugung beteiligt und trieb die Industrialisierung der Zuckererzeugung voran. Oder Joachim Adler, außergewöhnlich beliebter Arzt, dessen Sohn Guido Adler, geb. am 01. November 1855, in Wien aufwuchs, erst als Jurist arbeitete, sich dann aber ausschließlich der Musik widmete, bei Anton Bruckner studierte und selbst der Lehrer von Anton Webern und Egon Wellesz war.
Die Namensliste ließe sich noch lange fortsetzen. Darunter – wir bleiben bei der Musik – auch die Vorfahren väterlicherseits von Fritz Gulda – damals noch mit „K“ – oder Schallinger, ein Name, der in Wien fast ein Jahrhundert lang mit Musik verbunden war.
Doch (auch) darüber wird uns die Autorin, Frau Ludwiga Reich, am 2. September mehr erzählen…




Ivančice – Eibenschütz: die alte Stadt mit (heute) gerademal 10.000-Einwohnern, hat eine lange und bemerkenswerte Geschichte, die wohl in erster Linie die Geschichte der Juden von Ivančice ist. Und selbst in der Literatur findet sie ihren Niederschlag, so oder so. Denn wer kennt ihn nicht: Joseph Roths Eichmeister Anselm Eibenschütz, der im Roman „Das falsche Gewicht. Die Geschichte eines Eichmeisters“ im nur 45km entfernten Mikulov (Nikolsburg) geboren wurde und nach Galizien ziehen musste… (Im Film „Das falsche Gewicht“ von Bernhard Wicki (1971) spielt übrigens Helmut Qualtinger den Anselm Eibenschütz).


Gesamtprogramm des Europäischen Tags der jüdischen Kultur 2018 im Burgenland (programm2018.pdf, 722KB)


Alle Fotos: Ludwiga Reich.

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Aizenshtat in Eisenstadt

Eine Nachlese. Eigentlich reicht ein Satz, um den gestrigen Nachmittag und Abend zu beschreiben: Es war ein großes, würdiges und wirklich gelungenes Fest für die Familie Eisenstadt/Aizenshtat, die aus aller…

Eine Nachlese.

Eigentlich reicht ein Satz, um den gestrigen Nachmittag und Abend zu beschreiben: Es war ein großes, würdiges und wirklich gelungenes Fest für die Familie Eisenstadt/Aizenshtat, die aus aller Welt nach Eisenstadt gekommen ist, für die Stadt Eisenstadt, für unser Museum, für alle Besucherinnen und Besucher und nicht zuletzt natürlich für den berühmten Rabbi Meir Eisenstadt, der gestern seinen 274. Jahrzeittag hatte (wir berichteten).

Hochkarätig war die rabbinische Prominenz: gekommen sind (u.a.) aus Moskau Oberrabbiner und Präsident der Conference of European Rabbis (CER) Pinchas Goldschmidt und der Dayan im europäischen Bet Din, Rabbi Moshe Lebel. Aus Wien Oberrabbiner Arie Folger, Gemeinderabbiner und Landesrabbiner von Burgenland, Shlomo Hofmeister, der Rosh Av Beit Din von Österreich und Rabbiner der georgischen Synagoge, Rabbi Yaakov Hotoveli, sowie der Rosh Yeshiva der Or Sorua Yeshiva in Wien, Rav Gaber Sender.

Neben den Spitzen der politischen Prominenz – Staatssekretärin im Bundesministerium für Inneres, Mag.a Karoline Edtstadler, Nationalratsabgeordnete Gaby Schwarz und Bürgermeister und Landtagsabgeordenter Mag. Thomas Steiner – kam als Vertreter der evangelischen Kirche Eisenstadts Seniorpfarrer Herbert Rampler.

Aus den USA angereist sind der Chairman of the US Commission for the Preservation of America’s Heritage Abroad, Mr. Paul Packer, aus Moskau der Präsident der jüdischen Religionsgemeinschaft Moskaus, Dr. Grigory Roytberg, der in Erinnerung an seine Mutter Clara Chaja Aizenshtat, gemeinsam mit Mr. Paul Packer und Jechiel Aizenshtat die Renovierung des Grabsteins von Meir Eisenstadt möglich gemacht hatte.

Am beeindruckensten aber wohl war, dass ca. 60 Mitglieder der weltweiten Familie Eisenstadt / Aizenshtat gestern nach Eisenstadt kamen (besonders aus Russland, Israel und den USA), um den Jahrzeittag ihres Ahnen, Rabbi Meir Eisenstadt, feierlich zu begehen.

Wir bedanken uns ausdrücklich:

  • bei der Freistadt Eisenstadt für die so schöne und gute Zusammenarbeit und die Unterstützung
  • bei allen Besucherinnen und Besuchern, die gestern trotz Vatertag, Eisenstädter Stadtfest, Formel-I-Rennen, Fußball- (Österreich-Brasilien) und Tennisspiel (Thiem-Nadal) auf den älteren jüdischen Friedhof und ins Museum gekommen sind.
  • beim Erich Schneller vom ORF-Burgenland für die tolle Berichterstattung (z.B.: hier und hier)

Die Ausstellung von Alexander Aizenshtat, einem direkten Nachkommen von Rabbi Meir Eisenstadt, ist noch bis 24. Juni 2018 bei uns im jüdischen Museum zu besichtigen. Wir möchten Ihnen den Besuch sehr ans Herz legen, die Bilder sind höchst beeindruckend und wenn Sie in nächster Zeit nicht das Puschkinmuseum in Moskau besuchen können, sollten Sie die Gelegenheit in Eisenstadt ergreifen ;-)

Aber sehen Sie selbst:


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Meir Eisenstadt und Alexander Aizenshtat – wir laden herzlich ein…

Das Österreichische Jüdische Museum lädt herzlich ein zur Gedenkfeier am Jahrzeittag von Rabbiner Meir Eisenstadt sowie zur Eröffnung der Ausstellung mit Bildern des jüdischen Künstlers Alexander Aizenshtat Wann: Sonntag, 10….

Das Österreichische Jüdische Museum lädt herzlich ein zur

Gedenkfeier am Jahrzeittag von Rabbiner Meir Eisenstadt

sowie zur Eröffnung der

Ausstellung mit Bildern des jüdischen Künstlers

Alexander Aizenshtat

Wann: Sonntag, 10. Juni 2018

Wo: Älterer jüdischer Friedhof in Eisenstadt und Österreichisches Jüdisches Museum

Programm:

16:00 UhrTreffpunkt am älteren jüdischen Friedhof in Eisenstadt (Männer bitte Kopfbedeckung mitnehmen)
Reden der Ehrengäste, Enthüllung des renovierten Grabsteins und Kaddisch zum Gedenken an Rabbi Meir Eisenstadt

17:00 UhrTreffpunkt im jüdischen Museum mit Gebet in der Synagoge

18:00 UhrEröffnung der Ausstellung durch LAg. Bgm. Mag. Thomas Steiner, Bürgermeister der Freistadt Eisenstadt
Zur Ausstellung: Irina Alexandrowna Antonowa, Langzeitdirektorin und seit 2013 Präsidentin des Puschkin-Museums in Moskau

Anschließend kleines Buffet.

Alexander Aizenshtat

Dauer der Ausstellung: 11. Juni – 24. Juni 2018


Rabbi Meir Eisenstadt – MaHaRaM A“SCH

Rabbi Meir Eisenstadt gilt als einer der größten Gelehrten und Rabbiner seiner Zeit. Sein Vermächtnis erlangte enorme Popularität in der jüdischen Welt, seine Werke werden bis heute in religiösen Bildungseinrichtungen studiert.
Sein Grab auf dem älteren jüdischen Friedhof ist noch heute – vor allem in diesen Tagen, zu seiner „Jahrzeit“ – das Ziel von orthodoxen Juden aus aller Welt, die das Gedächtnis an diesen großen Lehrer aufrechterhalten.

Rabbi Meir hielt am Freitag, dem 3. Dezember 1717 seinen Einzug in Eisenstadt. Im Originaldokument lesen wir:

לזכרון יום ביאת הרב המאור הגדול אב“ד דקהלתינו לכאן יום ו“ ער“ח טבת שנת תע“ח לפ“ק
Zum Gedenken an den Tag, als der Rabbiner, die große Leuchte, der Vorsitzende des Gerichtshofes unserer Gemeinde hierher kam, am Freitag, Vorabend des (1.) Neumondtags Tevet, des Jahres 478 nach der kleinen Zeitrechnung.

Rabbi Meir kam also nach jüdischem Datum vor genau 300 Jahren (heuer haben wir das Jahr 778), am 5. Chanukkatag, nach Eisenstadt.
Er starb am Sonntag, dem 27. Siwan des Jahre 504 (= 07. Juni 1744), heuer fällt sein Jahrzeittag auf Sonntag, den 10. Juni!. Den Namen „seiner Stadt“ – Eisenstadt – erhielt er posthum.

In unserem Blog finden Sie sowohl einen ausführlichen Artikel über Rabbi Meir Eisenstadt als auch ein Foto seines (noch nicht renovierten) Grabsteins, Transkription und Übersetzung seiner hebräischen Grabinschrift sowie viele biografische Notizen (Kinder etc.).


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Schicksalsjahr 1938 – NS-Herrschaft im Burgenland

Update: Die Ausstellung ist wegen großen Interesses auch 2019 zu sehen! Öffnungszeiten Das Österreichische Jüdische Museum lädt herzlich ein zur Eröffnung der Schwerpunktausstellung Schicksalsjahr 1938 – NS-Herrschaft im Burgenland Wann:…

Update:
Die Ausstellung ist wegen großen Interesses auch 2019 zu sehen!

Öffnungszeiten


Das Österreichische Jüdische Museum lädt herzlich ein zur Eröffnung der

Schwerpunktausstellung

Schicksalsjahr 1938 – NS-Herrschaft im Burgenland

Wann: Donnerstag, 26. April, 18:00 Uhr

Wo: Landesmuseum Burgenland

Transparent „Juden unerwünscht“ in Hornstein, Fotograf unbekannt, Quelle: Burgenländisches Landesarchiv, Fotosammlung

Transparent „Juden unerwünscht“ in Hornstein, Fotograf unbekannt, Quelle: Burgenländisches Landesarchiv, Fotosammlung


Die Ausstellung findet an zwei Standorten, im Österreichischen Jüdischen Museum in Eisenstadt sowie im Landesmuseum Burgenland in Eisenstadt, statt.

Dauer der Ausstellung: 27. April bis 04. November 2018

Download Einladung (Einladung1938.pdf, 1.06 MB)

Eröffnungsprogramm

16:00 – 18:00 Uhr: Pre-Opening: Freie Besichtigung beider Ausstellungsorte

ab 18:00 Uhr:

Begrüßung Dr. Wolfgang Kuzmits, Geschäftsführer | KBB – Kultur-Betriebe Burgenland GmbH

Zur Sonderausstellung Mag. Dieter Szorger, Kurator

Im Gespräch
Claudia Prutscher
, Vizepräsidentin | Israelitische Kultusgemeinde Wien

Mag. Hans Peter Doskozil, Kulturlandesrat

Ansprache Dr. Heinz Fischer, Vorsitzender des Beirats 100 Jahre Republik

Ansprache & Eröffnung Hans Niessl, Landeshauptmann

Moderation Walter Reiss

Filmausschnitt „Es waren schwere Zeiten“
von Walter Reiss | Gespräche mit burgenländischen ZeitzeugInnen


Maria Augustin, Innenraum der Gemeindesynagoge von Eisenstadt

Maria Augustin,
Innenraum der Gemeindesynagoge von Eisenstadt

Wir freuen uns sehr, Ihnen in unserem Haus noch nie öffentlich gezeigte Originaldokumente des Jüdischen Zentralarchivs zeigen zu dürfen. Außerdem ermöglicht Ihnen eine digitale Rekonstruktion einen virtuellen Rundgang durch zerstörte burgenländische Synagogen. Einblicke in die jüdischen Lebenswelten bis zur Vertreibung im Frühjahr 1938 bieten einerseits Werke burgenländischer KünstlerInnen, andererseits Interviews und Biografien burgenländischer Jüdinnen und Juden, die auf PC-Videostationen regional individuell abgerufen werden können.

Als NS-Landeshauptmann Dr. Tobias Portschy am 2. April 1938 forderte, im Burgenland neben der ›Agrarreform‹ und der ›Zigeunerfrage‹ auch die ›Judenfrage‹ mit nationalsozialistischer Konsequenz zu lösen, bedeutete dies das endgültige Aus einer dreihundertjährigen kontinuierlichen jüdischen Geschichte dieses jüngsten Bundeslandes Österreichs.
Die burgenländischen Juden waren 1938 die ersten Juden in Österreich, die von den Ausweisungsbefehlen der Nazis betroffen waren. Schon wenige Tage nach dem „Anschluss“ im März 1938 begann die systematische Ausweisung der Juden aus ihren Gemeinden. Am 1. November 1938 meldete die Presse, dass

sämtliche Kultusgemeinden des Burgenlandes … nicht mehr existieren.

Oskar Schiller, geb. 11. August 1918, ist einer der wenigen Juden, die nach 1945 ins Burgenland, namentlich nach Eisenstadt, zurückkehrten; er lebte bis zu seinem Tod am 17. Februar 2005 mit seiner Familie auch dort.
Er ist der älteste Sohn von Adalbert und Irma Schiller, die wie seine Schwester Wilma und sein Bruder Fritz in der Schoa ermordet wurden.

Herr Schiller kam jedes Jahr in den Tagen um Jom Kippur in die Synagoge, um dieses Jahrzeitlicht seiner Familie zu entzünden.

Das Jahrzeitlicht der Familie Schiller – die Übersetzung:

Jahrzeitlicht Familie Schiller: Zeilengerechte Transkription und Übersetzung
[1] Gedenklicht נר זכרון
[2] für meine Eltern, לנשמות הורי
[3] H(errn) Benjamin, Sohn des ר’ בנימין בן
[4] Natan Halevi נתן הלוי
[5] Schiller שיללער
[6] und seiner Ehefrau, ihren Söhnen ורעיתו, ובנם
[7] und ihren Töchtern, ובתם
[8] die in der Schoa umgekommen sind. שנספו בשואה


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